Reichtags-Wahl in Schweden bringt den rechtsextremen „Schweden-Demokraten“ Erfolg

Schweden(Wahl_2018_Kommunen)_kleinStockholm, 10. September 2018: Die gestrige Reichtagswahl hat, wie viele Meinungsumfragen schon vorhersagten, der rechtsextremen Partei Schweden-Demokraten einen Erfolg gebracht, mit fast 18 % erreicht die Partei ihr bislang höchstes Ergebnis und gewinnt im Vergleich zur Wahl 2014 4,7 % hinzu.
Stimmenstärkste Partei bleiben nach wie vor die Sozialdemokraten mit knapp über 28 %, sie verlieren aber 2,7 %-Punkte. Die Linkspartei kann hingegen 8 % erzielen (+ 2,3 %-Punkte), die schwedischen Grünen verlieren 2,5 %-Punkte auf jetzt 4,4 %.
Bei den vier bürgerlichen Partei ist die Moderate Sammlungspartei die große Verliererin, sie büßt 3,5 % Punkte auf jetzt 19,8 % ein, während die bürgerlich-landwirtschaftlich-grün orientierte Zentrumspartei 2,5 %-Punkte auf jetzt 8,6 % zulegt. Die schwedischen Christdemokraten gewinnen ebenfalls (1,8 %-Punkte) auf aktuelle 6,3 %. Die Liberalen kommen auf 5,5 % (+ 0,1 %-Punkte).
Eine Regierungsbildung wird schwierig, der linke Block erreicht 144 Mandate im 349 Sitze umfassenden schwedischen Reichstag, die bürgerlichen Parteien kommen auf 143 Mandate, die Schwedendemokraten erzielen 62 Sitze.
Schon 1921 stellten die schwedischen Sozialdemokraten den Regierungschef, bei der Wahl 1940 erzielten sie mit dem Ministerpräsidenten Per Albin Hansson 53,8 %, 1968 sind sie auf 50,1 % gekommen. Zwischen 1976 und 1982 waren sie in der Opposition sowie wieder von 1991 bis 1994 und von 2006 bis 2014. 2010 kamen die Moderaten recht nahe an das Ergebnis der Sozialdemokraten heran, sie erzielten 30,1 %, die Sozialdemokraten verloren 4,3 %-Punkte auf 30,7 %. An diesen Ergebnissen im Vergleich von jetzt mit früheren Resultaten lässt sich auch für Schweden ein Rückgang bei den etablierten Parteien erkennen und eine Hinwendung zu den rechtspopulistischen Gruppierungen. Das schwedische Parteiensystem befindet sich damit im europäischen Durchschnitt.

Umfragedurchschnitt August 2018: Nur die Grünen wären eindeutige Monatsgewinner - Bericht und Kommentar

Monats-Umfrage(August_2018)kleinBerlin, 31 August/1. September 2018: Während die CDU/CSU wie auch die SPD im Monatsdurchschnitt des August 2018 demoskopisch immer noch straucheln, stabilisieren sich die Umfragedaten für Bündnis 90/Die Grünen wie auch der AfD nach wie vor auf recht hohem Niveau.
Demnach kommen Union wie auch die SPD in den Umfragen wieder auf Tiefstwerte. Es errechnet sich für die Union ein Durchschnittswert von nur noch 29,9 %, damit liegen CDU und CSU gemeinsam genau 1,1 Prozentpunkte unterhalb ihres bislang niedrigstem Ergebnis von 1949 - immerhin der ersten Bundestagswahl überhaupt - sowie auf dem niedrigstem Stand bei den monatlichen Umfragedaten. Zudem sind beide Parteien gut 3 %-Punkte von dem Ergebnis von 2017 entfernt, was einen (fiktiven) Verlust von nahezu 9,2 % ihrer damaligen Wählerschaft betragen würde.
Nicht viel besser ergeht es ihrer Koalitionspartnerin SPD, die seit ihrer Entscheidung, wieder mit der CDU/CSU auf Bundesebene eine Koalition zu bilden, dauerhaft unterhalb von 20 % liegt. Derzeit sind es nur 17,7 % insgesamt und ist somit nahezu 3 %-Punkte unterhalb ihres Ergebnisses von 2017 und sogar 11,5 %-Punkte niedriger als 1949. Die Sozialdemokraten sind dabei, sich endgültig aus dem Parteiensystem als ehemals „große Volkspartei“ zu verabschieden. Vor einem Jahr erzielten Union und SPD zusammen im Umfragedurchschnitt 61,9 % (CDU/CSU: 38,4 %, SPD: 23,5 %), jetzt sind es 47,6 %.
Weiterhin bliebe die AfD (15,4 %) drittstärkste Partei, die - laut der gemittelten Umfragedaten – 2,8 %-Punkte mehr als bei der Bundestagswahl erzielen würde. Offenbar resultiert die derzeitige demoskopische Stärke der AfD nach wie vor daraus, dass sie – immer noch - als „einzige System-Opposition“ wahrgenommen wird.
Die FDP kommt in diesen Monat auf 8,8 % (- 1,9 %-Pkte.), eindeutige Gewinner wäre auch im August wieder Bündnis 90/Die Grünen, welche jetzt 14,1 % erreichen (+ 5,2 %-Punkte). Die Grünen stehen (im Parteiensystem) der AfD – beide als Oppositionsparteien auf Bundesebene - diametral gegenüber: deren Gewinne scheinen sich auch in Zugewinnen für die Grünen - und umgekehrt - niederzuschlagen. Angemerkt aber sei zudem dieses: Die Grünen haben recht häufig innerhalb der Legislaturperioden (Bundestag) bei den Umfragen hoch abgeschnitten, so 2011, 2016 und jetzt wieder. Bei den jeweils darauf folgenden Bundestagswahlen schnitten sie dann weniger deutlich ab. Deren demoskopische Entwicklung bleibt also abzuwarten.
Die LINKE, die durchschnittliche 9,6 % erzielt, könnte im Vergleich mit dem Bundestagswahlergebnis in den Umfragen 0,4 %-Pkte. hinzugewinnen. Alle anderen Parteien erzielen laut Umfragedurchschnitt 4,5 % (- 0,7 %-Pkte.).
Beurteilt man die Daten nach dem bekannten „Links-Rechts-Schema“, so erreichen die CDU/CSU, die AfD sowie die FDP zusammen 54,1 %, SPD, Grüne und LINKE erzielen laut Umfragedurchschnitt 41,1 %. Eine „Jamaika-Koalition“ aus CDU/CSU, FDP und Bündnis 90/Die Grünen würde auf 52,8 % kommen. Die (mögliche) Mandatsverteilung auf der Basis der gesetzlichen Grundmandate (598 Sitze) zeigt dann folgendes auf: Die CDU/CSU würde 187 Mandate erzielen, die SPD 111, die AfD käme auf 97 Mandate, die FDP auf 55, die Grünen auf 88 und die LINKE könnte mit 60 Sitzen rechnen.
Zur Erklärung: Es handelt sich bei dieser „Rangliste” nicht um eine sozialwissenschaftliche Untersuchung, sondern um den Durchschnittswert, der sich aus der Berechnung der veröffentlichten Umfragedaten des gesamten Monats der Institute EMNID, Infratest-Dimap, INSA, der Forschungsgruppe Wahlen e. V., dem FORSA-Institut, GMS und dem Institut für Demoskopie (Allensbach) ergibt.